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Sehr geehrte Falknerin, sehr geehrter Falkner,
ich hoffe auf Ihr Verständnis, daß wir Sie heute über unsere Falconaria-Kundendatenbank ausnahmsweise einmal zweckentfremdet nicht über Verlagsprodukte, sondern ein falknereipolitisches Ereignis informieren. Ich denke, daß die Information so wichtig ist, daß sie so viele Falkner und an der Falknerei Interessierte erreichen sollte wie möglich.
Die Falknerei erhält UNESCO-Anerkennung Am 16.11.2010 hat das Zwischenstaatliche Komitee der UNESCO, der Weltkultur- organisation, die Falknerei in die "Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit" aufgenommen! Die Falknerei ist damit in zwölf Staaten, unter anderem Belgien, Frankreich, Spanien, der Slowakei und der Tschechische Republik, ein anerkanntes immaterielles Kulturerbe. Das ist ein großartiger politischer Erfolg für die internationale Falknergemeinschaft, der politsch nur mit den Erfolgen bei der Rettung des Wanderfalken durch Auswilderung zu vergleichen ist.
Der Antrag der Falknerei wurde unter Federführung der Vereinigten Arabischen Emirate ausgearbeitet. Vorausgegangen war eine fast zehnjährige Anstrengung der beiden international tätigen Falknervereinigungen IAF und CIC sowie zahlreicher nationaler Falknerorganisationen und -persönlichkeiten. Am 20. August 2009 waren es dann Belgien, Frankreich, Katar, Marokko, die Mongolei, Saudi-Arabien, die Slowakei, Spanien, Südkorea, Syrien, die Tschechische Republik und die Vereinigten Arabischen Emirate, die den Antrag in Abu Dhabi unterzeichneten und an die UNSECO übergaben. Für alle diese Länder wurde die Anerkennung nun ausgesprochen. Die jeweiligen Staaten verpflichten sich vertragsgemäß, zum Schutz, zum Erhalt und zur Förderung der Falknerei beizutragen. Es sind damit sogar staatliche Fördergelder zur Ausrichtung von großen Falknertagungen oder anderen falknerisch-kulturellen Tätigkeiten, wie Ausstellungen oder Dokumentationen, denkbar.
Bedauerlicherweise wurde die Konvention zur "Bewahrung des immateriellen Kulturerbes", die ein noch relativ junges Vertragswerk der UNESCO ist, von Deutschland noch nicht ratifiziert – ein Termin ist auch nicht absehbar. Die deutsche Falknerei kann daher an diesem großen politschen Erfolg nur bedingt partizipieren. Gleichwohl bedeutet die Anerkennung der Falknerei als immaterielles Kulturerbe in Belgien, Frankreich, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Österreich (wo die nationale Anerkennung bereits vollzogen ist), mithin also in fünf Staaten des gemeinsamen Kulturraums Mitteleuropa, auch für die deutsche Falknergemeinschaft ein gewichtiges Argument in der politischen Diskussion!
Dieses Fenster der Gelegenheiten gilt es zu nutzen, um in der breiten Öffentlichkeit das Bewußtsein für die kulturelle Bedeutung der Falknerei zu fördern. Denn, daß die Falknerei auch ein Teil der kulturellen Identität Deutschlands ist, steht außer Frage!
Ich möchte Sie daher alle auffordern, sich in Sachen "immaterielles Kulturerbe" zu informieren und die Information an Ihnen geeignet erscheinender Stelle zu nutzen; sei es in der Diskussion mit Passanten im Revier, sei es bei Vorträgen oder im Rahmen "privater" Öffentlichkeitsarbeit. Dabei beachten Sie aber bitte eines: Die deutsche Bundesregierung hat mehrfach betont, daß sie eine Ratifizierung der Konvention zum immateriellen Kulturerbe unter anderem deshalb ablehnt, weil sie eine Verwässerung des Begriff "Weltkulturerbe" befürchtet. Dieser Begriff ist für bauliche Denkmäler reserviert, von denen es in Deutschland bekanntlich sehr viele gibt. Wenn wir also von der Falknerei als einem "Weltkulturerbe" sprechen, könnte das hierzulande tatsächlich mehr kulturpolitisches Porzellan zerschlagen, als es von politischem Nutzen wäre. Die Falknerei wurde nicht zum Weltkulturerbe erklärt, sondern zum "immateriellen Kulturerbe" in den zwölf oben genannten Ländern! Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Hintergrundinformationen zum Thema finden Sie auf Falknerei.de sowie in einem umfangreichen Bericht zum Thema in Heft 7 von BEIZjagd.de. Letzteren können Sie über den nachfolgenden Link aufrufen und lesen.
Die Falknerei – schon bald ein immaterielles Kulturerbe - PDF (9,7 MB)
Mit freundlichen Grüßen Ihr
Dr. Peter N. Klüh
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